Die Geschichte der Büsumer Werft(en)

1901-1936 Die erste Büsumer Werft

Sammlung Ingrid Mohr - Die Chronik der Büsumer Werft
Die Geschichte der Büsumer Werften ist eng mit der Geschichte bzw. der Entwicklung des Büsumer Hafens verbunden.
Der erste Büsumer Hafen wurde, wie archäologische Funde zeigen, ca. 1000 v. Chr. im Bereich der heutigen Alleestraße/Hafenstraße angelegt.
Um 1720 entstand das heutige Hafenbecken I (Museumshafen).
Im Jahre 1885 führte der Störfischer Wilhelm Külper das Fischen mit Netzen aus Segelbooten in Büsum ein. Daraus entwickelte sich relativ schnell die Kutterfischerei - bereits 1895 betrieben 12 Boote auf diese Art und Weise den Krabbenfang.
Daraus ergab sich schnell der Bedarf an einer Reparaturmöglichkeit in Büsum - bislang wurden Reparaturen durch "trockenfallen lassen" bei Niedrigwasser durchgeführt. So konnten allerdings nur kleinere Reparaturen durchgeführt werden, die die Dauer einer Tide nicht überstiegen.
In seiner Generalversammlung vom 10. Januar 1902 beschloss daher der Büsumer Fischereiverein einen "Antrag an das Kirchspiel um Überlassung eines Grundstücks am Hafen zwecks Anlegung eines Hellings" zu stellen. Diesem Antrag wird im März stattgegeben. Diese erste Büsumer Werft befand sich auf dem Gelände des heutigen Tonnenhofes. 1903 übernimmt das "Ministerium der öffentlichen Arbeiten" des preußischen Staates den Hafen.

1905/1906 wird das Hafenbecken vergrössert und mit dem Bau des Hafenbeckens II begonnen, dass vor allem als Liegeplatz für die grösseren, dem Schollenfang dienenden Schiffen vorgesehen ist. Bis 1910 werden auf der Werft Boote und kleine Kutter ohne Motorantrieb gebaut.

Foto: Sammlung Amtsarchiv Büsum - Die erste Büsumer Werft
Am 21.01.1911 läuft in Büsum der erste Motorfischkutter "Seerose" vom Stapel.

1912/1913 wird der Leuchtturm errichtet.

1914 wird eine Maschinenwerkstatt gebaut und mit den nötigen Maschinen ausgestattet.

1921 verkauft Albers die Werft an Kramer, Vagt und Beckmann, Kramer und Vagt sind Flugzeugtechniker, Beckmann ist Schiffszimmermann.

1925 Der neue Hafen ist in Richtung Osten nur durch ein hölzernes Bollwerk gesichert, diese Massnahme reicht nicht aus, daher wird die "neue Insel" (heute zwischen Hafenbecken II und III) aufgeschüttet. Diese Insel wird durch eine Holzbrücke mit dem Festland verbunden.

Foto: Sammlung Amtsarchiv Büsum - Die Werft auf der neuen Hafeninsel
1926 zieht die Werft auf die Hafeninsel um (der Standort ist in etwa da, wo heute die Wasserschutzpolizei untergebracht ist).Als erstes Schiff läuft dort "BÜS 69 - Seeschwalbe" vom Stapel.

1927 Die alte Werft wird abgerissen und zum Tonnenhof. Auf der neuen Werft läuft die "Feuerland", ein Expeditionsschiff für Günter Plüschow (der Flieger von Tsingtau) am 11.10. vom Stapel. Finanziert wird das Schiff, dass für eine Weltumsegelung vorgesehen ist, vom Ullstein Verlag. Die Taufrede hält Dr. Karl Ullstein aus Berlin. Am 24.11. läuft die "Feuerland" nach einem Gottesdienst unter Glockengeläut aus.

1928 laufen zwei weitere Motorfischkutter vom Stapel.

1929 die Werft wird in die "Kramer und Vagt GmbH" umgewandelt. Es werden unter anderem 2 Motorbarkassen für die Kriegsmarine abgeliefert. Aufgrund der Weltwirtschaftskrise gehen nur noch Reparaturaufträge ein.

Foto: Sammlung Amtsarchiv Büsum - Kutter Admiral Scheer
1930 läuft der erste Hochseefischkutter "Klaus Groth" vom Stapel. Die Werft soll am 03.06. verkauft werden, dies gelingt allerdings nicht. Am 05.06 wird um 17:00 Uhr gegen die Werft ein Konkursverfahren eingeleitet. Die Schiffzimmerer Albers, Gerlach und Mahnsen pachten die Werft ab Mitte Juli 1930 und führen sie als reinen Reparaturbetrieb.

1932 Am 02.07 kauft Ing. Köhn aus Lauenburg die Werft für 3000,- Reichsmark und pachtet das Gelände vom Staat. Am 03.09. nimmt die Werft ihren Betrieb wieder auf. Zu diesem Zeitpunkt umfasst die Fischereiflotte in Büsum 130 Kutter, eine Anzahl, die nie wieder erreicht wird. 1933/1934 für Büsumer Fischer werden die Kutter "Iltis", "Henny", "Admiral Scheer" und "Nordseeluft" gebaut.

1935/1936 kämpft die Werft wieder einmal um ihr Überleben, Aufträge bleiben aus. Am 01. 03. 1936 verlässt Hermann Beckmann Büsum und die Werft.

1936-1963 Büsumer-Schiffswerft W.&E. Sielaff