Die Geschichte der Büsumer Werft(en)

1936-1963 Büsumer-Schiffswerft W.& E. Sielaff

Foto: Sammlung Amtsarchiv Büsum - Polizeiboot Uwe-Jens Lornsen
1936 Am 15.03 kauft der Hamburger Schiffbaumeister Wilhelm Sielaff die Büsumer Werft für 7000 RM und übernimmt den Pachtvertrag für das Gelände. Bereits am 01.04. nimmt er den Betrieb auf. Bis zu diesem Zeitpunkt baute Sielaff Kajaks und Sportboote auf seiner Hamburger Werft. Der Kontakt nach Büsum kam zustande, weil seine Frau Emmi eine gebürtige Büsumerin ist. Sielaff baut eine moderne Querslipanlage - die erste an der Westküste und die Maschinenhalle wird mit neuen Maschinen ausgerüstet. Das erste Schiff, das aufgeslipt wird ist die "La Paloma". Im August herrscht grosse Freude auf der Werft, vier der in Hamburg bei Sielaff für die deutsche Olympiamannschaft gebauten Kajaks gewinnen Medallien: 2x Gold, 1x Silber, 1x Bronze - auf der Werft wird "über die Toppen geflaggt".

1937 Der Fischkutterbau wird wieder aufgenommen, am 09.06. läuft der Kutter "Momme Friedrich" vom Stapel.

1938 Das Polizeiboot "Uwe-Jens Lornsen" läuft vom Stapel und wird in Dienst gestellt, außerdem wird ein Motorboot für die deutsche Luftwaffe gebaut. Die Liegeplätze im Büsumer Hafen reichen nicht mehr aus, daher wird mit jetzt mit der Erweiterung des Hafens, sowie dem Bau der Ost-, und Westmole, sowie der Schleuse begonnen. Bereits zu diesem Zeitpunkt war die Verlegung der Werft in das Hafenbecken III geplant - aufgrund des Krieges werden einzelne Baumassnahmen begonnen, können allerdings nicht im ganzen Umfang ausgeführt werden.

1939-1945 Der in Spanten stehende Neubau Nr. 36 wird stillgelegt, die Büsumer-Schiffswerft W.&E. Sielaff wird zum Wehrwirtschaftsbetrieb für Fischerei erklärt, kurz darauf wird aus ihr ein Rüstungsbetrieb für die Wehrmacht. Nach dem Bau einiger Torpedo-Transportschuten werden - inzwischen ist die Werft Rüstungsbetrieb für Geheimaufträge ausgewiesen - in den ersten Kriegsjahren U-Boot Türme des Typs VII.B, später X.21 gefertigt und an Blohm&Voss in Hamburg angeliefert. Die Türme werden mit Chrom-Nickel Elektroden von russischen Kriegsgefangenen geschweisst (eine Elektrode kostet 1,20 RM!). Ausser den ca. 100 U-Boot Türmen wird eine schwimmende Ladestation für U-Boot Batterien (schon auf der Überfahrt von Helgoland zum Jadebusen versenkt!) und ein Werkstattponton für Schnellboote gebaut. Die Belegschaft setzt sich aus 32 Deutschen und 50 Kriegsgefangenen (Russen, Franzosen, Belgier) zusammen.
1944 feiert Wilhelm Sielaff sein 25 jähriges Berufsjubiläum.

1945 erhält Büsum am 04. Mai seinen ersten Bombenangriff. Die Bilanz: 9 Tote, 19 Verletzte, fünf völlig zerstörte Häuser. Bei diesem Angriff wurde auch die Werft beschädigt.

1945-1946 Der Fischkutter mit der Baunummer 36 wird auf eigene Rechnung aus noch vorhandenen Materialien fertiggestellt und nach Hamburg verkauft. Es werden weitere 4 Kutter für Büsumer Fischer gebaut, darunter ein sogenannter Wiedergutmachungskutter. Ausserdem werden aus Materialabfällen Brennhexen hergestellt, die von der Gemeinde gegen Bezugsscheine ausgegeben werden. Für diese Bezugsscheine bekommt die Werft wiederum Eisenscheine und somit den nötigen Stahl.

1947 Das Zeitalter des Stahlschiffbaus beginnt in Büsum. 3 Stahlfischkutter, unter ihnen der bis Ende der 1980er Jahre in Dienst stehende "Seefalke", werden gebaut.

1949 Nach Aufhebung der durch die Alliierten auferlegten Beschränkungen für den deutschen Schiffbau wird erstmalig ein Küstenmotorschiff (Bau Nr. 152) auf Kiel gelegt. Dieser erste Kümo "Gretchen Vollmers" läuft am 15.04.1950 vom Stapel.

1953 am 25.04 wählt die Belegschaft zum ersten Mal einen Betriebsratsvorsitzenden - Gustav Gierke - 23 Jahre lang vertritt er die Interessen der Werftmitarbeiter. Die Ausrüstung der Neubauten findet inzwischen an der Pier im Hafenbecken III statt.

1954 ein Kanadisches Küstenwachboot - ein Überbleibsel aus dem zweiten Weltkrieg - wird umgebaut und an den Bundesgrenzschutz abgeliefert. Als Betriebsleiter wird Hr. Ternow eingesetzt, die Belegschaft besteht mittlerweile aus rund 90 Personen.

1956 Ein neuer Betriebsleiter, Hr. Johannsen, wird eingestellt, die Belegschaft ist inzwischen auf 120 Personen angewachsen. Im Zuge des Gesamthafenausbaus soll die Werft an den Kopf des Hafenbeckens III (dem endgültigen Standort) verlegt werden.

1957 Der Bau des neuen Werftgeländes wird abgeschlossen, am 20.11.1957 ist das Richtfest, am 05.12.1957 findet die Einweihung des neuen Betriebes statt. Die Belegschaft hat mittlerweile eine Stärke von 200 Personen erreicht.

1958 am 20. Januar bricht in aller Frühe ein Großbrand in der Tischlerei aus, die von dem Feuer völlig vernichtet wird. Nur dem Einsatz der Feuerwehren aus Büsum, Westerdeichstrich, Wesselburen und Heide ist es zu verdanken, daß die angrenzenden Gebäude und in der Nähe liegenden Schiffe verschont bleiben.

Sammlung Amtsarchiv Büsum - Einladung zum Richtfest der neuen Werftanlagen


Foto: Sammlung Amtsarchiv Büsum - Fährschiff Amrum
1959 Zum ersten Mal seit langer Zeit muss die Belegschaft abgebaut werden - 160 Personen bleiben bei der Werft in Lohn, trotzdem wird die Slipanlage um 12 Meter verlängert - Schiffe von 80 Metern Länge und 7 Metern Tiefgang können nun aufgeslipt werden.

1960 Auf der Slipanlage werden die ersten grösseren Reparaturen durchgeführt, der norwegische Frachter "Jolita" wird erhöht, die im Vorjahr in Büsum gebaute "Brigitte Gräbe" wird um 6,50 Meter verlängert und der Frachter "Karl Koltz" zu einem Torpedoversuchsschiff für die Bundesmarine umgebaut. Ausserdem läuft am 30. September das erste und leider einzige Fahrgastschiff "Amrum" vom Stapel. Für dieses Schiff übernahm die Gemeinde Büsum eine Patenschaft, als Dank für die Aufnahme der Büsumer Fischer auf Amrum.

Foto: Sammlung Amtsarchiv Büsum - Werftgelände um 1960
1961 Am 14.04 feiert die Büsumer-Schiffswerft W.&E. Sielaff ihr 25 jähriges Jubiläum.

1961 im Juli wird die "Graeko", das erste über 1000 tdw grosse Frachtschiff abgeliefert. Insgesamt läuft der Betrieb auf voller Leistung.

1963 Nachdem die "Rugia" vom Stapel gelaufen ist, sind die Mienen der Werftarbeiter nicht sehr fröhlich, die "fetten 50er Jahre" sind vorbei, der Bedarf der deutschen Reeder an Schiffen ist vorerst gedeckt. Während der letzten Jahre herrschte ein starker Konkurenzkampf unter den Werften, der Ausbau der Werft hatte viel Geld verschlungen, Rücklagen konnten kaum gebildet werden. Als dann in den Wintermonaten kurz gearbeitet werden musste, geriet die Werft in ernste Schwierigkeiten. Selbst ein Konkurs scheint nicht ausgeschlossen. Da das Ehepaar Sielaff keine direkten Nachkommen hat, wird ein Verkauf der Werft ins Auge gefasst. Am 01.10. übernahm der Hamburger Reeder und Werftbesitzer Alnwick Harmstorf die Büsumer Werft.

1901-1936 Die erste Büsumer Werft
1963-1986 Büsumer Werft GmbH